Geschichte

Eine kleine Picknickgeschichte

Die Tage und Nächte werden wärmer, die Wiesen grüner und allmählich verspürt man dieses Kribbeln, das einen irgendwie nach draußen zieht. Also schnell ein paar Leckereien zusammengepackt und ab mit der Liebsten in den Schatten einer großen Eiche. Auf einer gemütlichen Decke kuscheln, dazu kleine, leckere und mundgerechte Häppchen, die man sich hochromantisch gegenseitig füttern kann. Im Idealfall dazu noch ein traumhafter Sonnenuntergang, kaum Insekten und anderes Getier und eine verlässliche Kühltasche – wer verbindet keine solchen oder ähnlichen Vorstellungen mit dem hochgerühmten Festmahl im Freien?

Mit wirklich tiefgreifendem Wissen über dieses können dagegen nur wenige aufwarten. Daher hier nun für Sie einige kleine Geschichten rund um das Essen im Grünen – hoffentlich kommen Sie auf den Geschmack!

Wir sind nicht die ersten Picknicker

Man mag es nicht glauben, aber die Wurzeln des ungezwungenen gemeinsamen Mahls lassen sich bis in biblische Zeiten zurückverfolgen. So ist eigentlich das Stelldichein Adam und Evas im paradiesischen Garten Eden und das sündige Verspeisen der Frucht vom Baum der Erkenntnis als das „Urpicknick“ zu sehen. Wem diese Betrachtung zu mythologisch ist, kann sich an die Antike halten.

Sowohl bei den Griechen als auch bei den Römern war das Speisen unter freiem Himmel populär, denn schon damals galt wohl die frische Luft als appetitanregend. Und praktischerweise hatte man ja Sklaven, die sich um die aufwändigen Vorbereitungen des Ganzen kümmerten und Sorge trugen, dass eventuelle Unannehmlichkeiten möglichst gering gehalten wurden.

Speisen wie ein König

Auch in den folgenden Epochen war es an den Bediensteten, Möbel, Sonnenschirme, Porzellangeschirr und unzählige Töpfe, Pfannen und Schüsseln zu schleppen, wenn den feinen Damen und Herren danach war. Sonst wären die prunkvollen Feste unter freiem Himmel in den Schlossgärten Europas wohl etwas seltener und bescheidener ausgefallen. Auch heute noch würde man sich eine Einladung zu einem jener Feste wünschen, die der Sonnenkönig Ludwig XIV im 17. Jahrhundert mehrfach ausrichten ließ. Das hatte schon nichts mehr mit einem einfachen Picknick zu tun, wenn über Tage (bzw. Nächte) im festlich herausgeputzten Garten gefeiert wurde und das exzellente Angebot der Speisen und Getränke um Konzerte, Tänze, Lustspiele, Karussells und Feuerwerke ergänzt wurde.

Auch ohne die rauschenden Königsfeste zog es des Öfteren die Damen des 16. und 17. Jahrhunderts in den Pariser Schlossgarten, um sich mit ihren Geliebten heimlich an luftiger Stätte zu treffen. So kämpfte man dann im Liebesgarten abwechselnd mit ausgefallenen Speisen, leidenschaftlichen Geigen- oder Flötenkonzerten und zartem Gesäusel um das Herz der Angebeteten.

Die Leidenschaft fürs Speisen unter dem Himmelszelt verbreitete sich rasant, in Rom zog es nach der sonntäglichen Messe die Bevölkerung auf einen der sieben Hügel der Stadt zu einem ausladenden Mahl und auch die Studenten der Elite-Universität Oxford verbrachten die Mittagspausen beim Picknick am Themseufer.

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Das Regelwerk von 1861

Damit dies alles nicht völlig aus dem Ruder gerate, veröffentlichte Isabella Mary Beeton, weithin unter Mrs. Beeton bekannt, im Jahr 1861 ihr Buch „Mrs. Beeton´s Book Of Household Management”. Das Buch galt bereits kurz nach der Erscheinung als Bestseller und wurde bis heute oft nachgedruckt. Ein ganzes Kapitel widmet sie darin dem Thema „Picknick“. Sie erklärt nicht nur die geltenden Regeln, sondern gibt auch Rezeptvorschläge.

Unter anderem findet sich dort eine Speisenliste für 40 Personen, die unter anderem Rinderbraten, Rindfleisch, Lammkoteletts und -schultern, Schinken, mehrere Pasteten, Tauben, Hummer, einen Kalbskopf sowie noch vieles weiteres jeder Geschmacksrichtung als notwendig erachtet. Ob dies in der derzeitigen Diskussion um die Fettleibigkeit der Bevölkerung noch duldbar wäre?

Die Kunst

An dieser Stelle sei aber nicht nur auf die Begeisterung der Picknickenden verwiesen, sondern auch ganz besonders die Beobachtungsgabe künstlerischer Anhänger dieser Zusammentreffen, die uns auch heute noch an jenen mal mehr mal weniger versteckten Zusammentreffen im Grünen teilhaben lässt. Lassen Sie sich für ihr eigenes Mahl im Freien inspirieren von den meisterhaften Werken von Edouard Manet „Le Déjeuner sur l'herbe”, James Tissot „Holiday” oder George Morland „Angler's Repast”.

Der lange Weg zum Namen

Obwohl die Wurzeln des Picknicks wie oben beschrieben weit zurückreichen, ist der heute bekannte Name noch relativ neu. In der griechischen Antike als „Eranos” gehandelt und bei den Römern noch unter „Prandium” bekannt, beanspruchen heutzutage sowohl unsere französischen Nachbarn als auch die Engländer den Ursprung der Namensgebung aus dem 17. Jahrhundert für sich. Aber komme es nun von „Pique un nique” oder von „Pick a nick”, stamme es nun aus Frankreich oder England und schreibe man es nun „Picknick”, „picnic” oder „piqueni-que”, der Begriff verfestigte sich im Volksmund für Mahlzeiten, die in freier Natur gemeinsam eingenommen werden und auch unser Duden definiert es als Mahlzeit oder Imbiss im Freien.

In alten Wörterbüchern findet sich noch die Definition eines Mahles, zu dem jeder der Beteiligten etwas beisteuert, so dass dann also auch ein Restaurantbesuch, bei dem nachher die Rechnung geteilt wird, als „Picknick” gehandelt werden könnte. Im heutigen Sprachgebrauch ist diese Bedeutung aber in den Hintergrund gerutscht.

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Auf zu neuen Orten

Der Ortswahl beim Picknick oder der Ausführung sind eigentlich keine Grenzen mehr gesetzt. Die einen speisen gemeinsam am Straßenrand, um auf der langen Fahrt in den Urlaub kurz durch zu schnaufen und neue Kraft zu tanken.

Andere verbinden ihr Mahl mit einer Wanderung und genießen dann die vorbereiteten Köstlichkeiten mit sagenhaftem Blick über die Landschaft. Besonderen Spaß versprechen auch Picknicks am Strand (mit einer Extraprise Sand) oder im Boot. Genauso bieten sich aber Züge an, flache Hausdächer oder Förster-Hochstühle. Den Engländern sagt man sogar nach, dass sie gerne auf Friedhöfen speisten! Wer sich dann zwischendurch nach einem Abend auf der Couch sehnt oder wem zu schlechtes Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, dem bleibt es immer noch sich anderweitig mit dem Thema zu befassen, z.B. mit dem für sechs Oscars nominierten Film namens „Picknick” aus dem Jahr 1955.

Kleine Störenfriede gehören dazu

Natürlich teilt nach wie vor nicht jeder die Begeisterung für das Mahl im Freien, man vergesse nicht unpässliche Wetterlagen, stechendes und krabbelndes Getier, unbequeme Sitzgelegenheiten, der nicht immer ganz wohltemperierte Wein und die nicht für alle Geschlechter unkomplizierte Lösung der Toilettenfrage.

Aber man darf an dieser Stelle schon ein Lob auf die kleinen Erfindungen aus-sprechen, die den Picknickalltag entscheidend vereinfachen. Allen voran die Thermoskanne, Tupper-Dosen, das Schweizer Taschenmesser oder Autan, um nur einige zu nennen.

Außerdem bieten sich dem passionierten Picknicker von heute: Picknickkörbe, -rucksäcke oder –wagen in allen Ausführungen, Größen und Designs, zum Glück auch im „Retro-Look”, damit wir die alte Romantik von damals wieder aufleben lassen können. Ob diese aber tatsächlich an die edlen Ausgaben aus den 1920ern herankommen, die Georges Vuitton, Sohn des bekannten Reiseutensilienherstellers Luis Vuitton, für die Reichen und Schönen der damaligen Welt kreierte (zum Beispiel ein Tea-Case für den Maharadscha von Bardoa oder ein Picknickköfferchen für den Prinzen Jusuf Kemal von Ägypten), ist fraglich. Allerdings auch, ob man beim Picknick tatsächlich auf Gold, Silber oder feinstem Porzellan speisen muss, der Korb aus edlem Leder und jedes Einzelteil ein Kunstwerk für sich, oder ob es dann nicht doch die heutige Variante mit Plastik im Weidenkorb auch tut.

Auch was das Essen angeht, macht es der Markt uns heute schon deutlich einfacher, Sandwiches und Salate gibt es fertig abgepackt, glücklicherweise auch mit weniger Fett für die Figurbewussten unter uns. Die besonders Raffinierten lassen einfach ihre Picknickkörbe zusammenstellen. Einweggrills, Plastikbesteck und Campingstühle mit integriertem Getränkehalter sorgen schon fast für Komfort. Und wenn dann noch zarte und klassische Töne hinzukommen träumt man sich einfach an die schönsten Flecken dieser Welt…

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Klassik Open Airs

Auch wenn wir die Einzigartigkeit des Nürnberger Klassik Open Airs natürlich in keinster Weise in Frage stellen wollen und es auch als die größte Freiluftveranstaltung mit klassischer Musik in Europa gilt, möchten wir ihnen zur Anregung noch weitere Veranstaltungen dieser Art vorstellen:

Jährlich findet zum Beispiel im Londoner Hyde Park ein klassisches Konzert unter freiem Himmel statt, die Proms in the Park. Sie wurde 1996 ins Leben gerufen, weil die Royal Albert Hall dem Ansturm an Menschen zu der alljährlichen Abschlussveranstaltung der Sommer-Klassik-Konzerte nicht standhielt. Zu dem ausgegliederten Nebenschauplatz strömen jedes Jahr zehntausende Menschen, um die abschließende Live-Schaltung zum Klassik-Konzert in die Royal Albert Hall zu erleben und unter freiem Himmel zu feiern.

Im ebenfalls englischen Glyndebourne ist es üblich, die langen Konzertpausen während der sommerlichen Opernfestspiele zu nutzen, um im Opern-Dress auf der Weide zwischen Kühen und Schafen zu picknicken.

Im New Yorker Central Park können die Besucher seit 1985 in den Sommermonaten teilweise kostenlose Summerstage-Veranstaltungen besuchen, so dass sich zu Konzerten aller Stilrichtungen ein bundgemischtes Publikum aus aller Herren Länder und allen sozialen Schichten trifft und natürlich auch zusammen picknickt.

Um wieder auf deutschen Boden zurückzukehren: Auch im eigenen Land gibt es verschiedene Möglichkeiten ein Klassik Open Air an anderen Orten zu genießen.

So lädt München zum „Klassik am Odeonsplatz” und in der Landeshauptstadt Berlin bietet sich dem Freiluft-Klassik-Fan die Crème de la Crème der Klassik Open Airs: der Auftritt der Berliner Philharmoniker auf der Waldbühne.

Wenn es dann mal wieder ein Picknick ohne musikalische Untermalung sein soll und die eigenen Ideen allmählich ausgehen, bietet der Companions-Verlag eine Reihe von Büchern mit den besten Picknickplätzen in verschiedenen deutschen Städten. Leider gibt es ein solches für Nürnberg noch nicht. Daher sind an dieser Stelle Sie gefragt.

Vielleicht finden Sie zwischen den Vorbereitungen für Ihr perfektes Picknick zum Klassik-Open-Air Zeit und Muse, uns Ihre schönsten Erlebnisse beim picknicken zu berichten und Tipps für besonders geeignete Plätze weiter zu verraten. Schreiben Sie uns einfach per Mail an projektbuero-kultur@stadt.nuernberg.de oder schriftlich an das Kulturreferat/Projektbüro, Fünferplatz 2, 90403 Nürnberg.

Larissa Hirschmann

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Quellen:

„Picknick, Vergnügen, Lust & Genuß” von Jeanne-Marie Darblay und Caroline Mame de Beaurepaire, Müller Rüschlikon Verlags AG, CH-Cham/Zug
Internet: http://de.wikipedia.org/wiki/Picknick
http://de.wikipedia.org/wiki/Isabella_Beeton

 

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