Menü
Nürnberg Kultur
Kulturreferat der Stadt Nürnberg

Konzertsaal

Neuer Konzertsaal und Ausweichspielstätte für das Staatstheater während der Opernhaussanierung

Das Opernhaus am Richard-Wagner-Platz wurde zwischen 1901 und 1905 gebaut – und noch heute ist an einigen Stellen originale Technik aus der Bauzeit in Betrieb. In vielen Bereichen, etwa bei der technischen Gebäudeausstattung, beim Brandschutz oder für die Umsetzung der „Arbeitsstättensicherheitsrichtlinien“ ist eine umfassende Sanierung dringend nötig. Der Umfang der Baumaßnahmen macht es erforderlich, das Opernhaus für drei Spielzeiten zu schließen. In dieser Zeit braucht die Musiktheatersparte des Staatstheaters eine geeignete Ausweichspielstätte.

Unabhängig davon gibt es seit Jahren den Wunsch nach einem neuen und erstklassigen Konzertsaal. Die akustischen Verhältnisse und die Sichtbeziehungen im Großen Saal der Meistersingerhalle sind nicht immer optimal, für einige Veranstaltungsformate ist der Saal außerdem zu groß. Für kulturelle Veranstaltungen und Konzerte wird daher ein Saal mit exzellenter Akustik und einer Kapazität von etwa 1.500 Plätzen in aufsteigenden Sitzreihen benötigt.

Die Idee besteht nun darin, einen neuen und modernen Konzertsaal zu bauen und mit dieser zusätzlichen Fläche eine sinnvolle Option für eine Ausweichspielstätte für die Opernsparte des Staatstheaters zu ermöglichen.

Eine Markt- und Wirtschaftlichkeitsstudie des spezialisierten Beratungsunternehmens „actori“ hat bestätigt, dass ein Saal, der den Anforderungen an Infrastruktur und Akustik eines modernen Konzertsaals entspricht, in Nürnberg realisierbar ist: Der Veranstaltungsmarkt im Großraum ist zwar bereits in hohem Maße ausgeschöpft, die Gutachter sehen aber ein gutes Potenzial, wenn dem Betrieb eines neuen Saals eine klare Marktpositionierung und eine profilierte Vertriebsstrategie zugrunde liegt. Vergleichbare Projekte der letzten Jahren in anderen Städten zeigen, dass stimmungsvolle und zugleich funktionale Konzertsäle mit vertretbaren Investitionen gebaut und betrieben werden können.

Die Errichtung eines neuen und zeitgemäßen Konzertsaals in Nürnberg wird also zunächst die räumlichen Voraussetzungen für die Generalsanierung des Opernhauses schaffen und im Anschluss daran den vorhandenen Bedarf an einem Konzert- und Veranstaltungsaal für rund 1.500 Besucher decken.

 

Grundsatz- und Standortentscheidungen sind gefallen

In seiner Sitzung am 29. Juli 2015 hat der Stadtrat den Neubau dieses Konzertsaals beschlossen. Errichtet werden soll der neue Saal in unmittelbarer räumlicher Nähe zur Meistersingerhalle am Luitpoldhain.

Grundlage für die Stadtortentscheidung war ein umfangreiches Gutachten des Münchner Architektur-, Stadt- und Umweltplanungsbüros „bgsm“. Darin wurden acht mögliche Standorte unter vielfältigen Aspekten (Lage, Umfeld, Bau- und Naturschutzrecht, Einbindung in die Verkehrsnetze, Lärmsituation, Erschütterungen, Altlasten, Entwicklungsimpulse usw.) auf ihre Eignung hin untersucht. Nur zwei Standorte wurden schließlich als geeignet bewertet. Den Ausschlag für die Entscheidung, den neuen Saal direkt neben die Meistersingerhalle zu bauen, gaben Argumente aus der „actori“-Studie: Synergieeffekte aus der kombinierten Nutzung des neuen Saals und von Flächen im Bestandsgebäude der Meistersingerhalle führen zu deutlich geringeren Betriebskosten als zwei unabhängig voneinander betriebene Veranstaltungsstätten.

Die Entscheidung für den Bau des neuen Konzertsaals schafft auch die Voraussetzung für die Sanierung des Opernhauses. Planung und Realisierung beider Bauvorhaben sind deshalb zeitlich aufeinander abgestimmt.

Mit der Standortentscheidung hat der Stadtrat außerdem eine Grundsatzentscheidung für eine Generalsanierung der denkmalgeschützten Meistersingerhalle verbunden. Dieser Beschluss basiert auf einer Machbarkeitsstudie der auf Betreiber- und Veranstaltungsimmobilien spezialisierten Unternehmensberatung „Bevenue“ (München). Gegenstand der Studie war die Untersuchung der Frage, ob und unter welchen Voraussetzungen die Meistersingerhalle eine Lücke im Raumangebot schließen kann, die in Nürnberg derzeit für Tagungen und Kongresse mit 500 bis 1.000 Teilnehmern besteht. Die Gutachter kommen zu dem Ergebnis, dass eine um einen Saal mit 1.500 Plätzen und zusätzliche 500 qm Tagungsfläche erweiterte Meistersingerhalle erfolgreich auch als Tagungs- und Kongresszentrum betrieben werden kann. Voraussetzung dafür ist neben bereits vorhandenen Faktoren (Standort, Lage, Architektur usw.) eine entsprechende Sanierung des Bestandsgebäudes sowie ein personell und inhaltlich klar strukturiertes und professionell umgesetztes Marken-, Vertriebs- und Veranstaltungskonzept – exakt die Voraussetzungen also, die die „actori“-Studie auch für einen neuen Konzertsaal formuliert hat.

Perspektivisch soll das Gesamtensemble Meistersingerhalle also als Kulturveranstaltungs-, Tagungs- und Kongresszentrum betrieben werden.

Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner sieht in dem gefassten Stadtratsbeschluss einen entscheidenden Meilenstein für die Kultur in Nürnberg. Neben dem Grundsatzbeschluss für den Konzertsaalneubau, einem lange gehegten Wunsch der Nürnberger Kulturszene, würden zugleich die Weichen in Richtung Zukunftsfähigkeit des Staatstheaters Nürnberg gestellt. Ebenso rücke die Generalsanierung der seit 1963 in Betrieb befindlichen Meistersingerhalle in Reichweite.

 

Erste Schritte

Die Umsetzung des Stadtratsbeschlusses vom 29. Juli 2015, der in den Medien einhellig als gute Entscheidung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt und als zukunftsweisendes Signal für die Attraktivität des (Kultur-) Standorts Nürnberg gewertet wurde, beginnt mit umfangreichen Planungen.

In einem ersten Schritt wurde in einer Vielzahl von Gesprächen mit künftigen Nutzern eines Kultur- und Kongresszentrums Meistersingerhalle ermittelt, wie die individuellen Erwartungen an einen neuen Saal und eine sanierte Meistersingerhalle aussehen und welche Anforderungen an die jeweiligen Nutzungsoptionen gestellt werden. Parallel dazu fanden zahlreiche Gespräche mit externen Sachverständigen und städtischen Fachdienststellen zu technischen und betrieblichen Teilaspekten statt. Auf Basis dieser Gespräche und weiterer Überlegungen wurde mittlerweile ein erster Entwurf eines „Raumbuchs“ für den Konzertsaal und die zusätzlichen Tagungs- und Kongressflächen erarbeitet; nächster Schritt ist hier eine sorgfältige Prüfung der Nutzeranforderungen und des sich daraus ergebenden Raumprogramms.

Parallel zur Erarbeitung des Raumbuchs wurde im Februar 2016 ein Berliner Architektur- und Planungsbüro damit beauftragt, einen Architektenwettbewerb für den Neubau des Konzertsaals vorzubereiten und dessen Durchführung im Jahr 2017 zu begleiten. Zwischen April und Juli 2016 sind bei sechs Workshops und Arbeitstreffen sowie in mehreren ergänzenden Gesprächen und Terminen zahlreiche Einzelaspekte des geplanten Konzertsaalneubaus, aber auch des damit eng verbundenen Operninterims und der Generalsanierung der Meistersingerhalle intensiv diskutiert worden. Diese Arbeiten ergänzt ein Münchner Ingenieurbüro um erste Kostenberechnungen.

Bei einem Pressetermin am 8. April 2016 in der Meistersingerhalle mit Staatsminister Dr. Markus Söder, Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner sagte der Freistaat Bayern eine großzügige finanzielle Unterstützung für den geplanten Konzertsaal in Nürnberg zu.

 

Wie geht es weiter?

Zu den nächsten Schritten gehört die Freigabe eines Raumprogramms für den Konzertsaalneubau. Das Raumprogramm ist Voraussetzung für die Erarbeitung eines Kostenrahmens und die damit verbundene fundierte Diskussion verschiedener Planungs- und Bauoptionen. Die in einem ersten Entwurf für den Architektenwettbewerb formulierten Vorgaben sollen dann mit Hilfe eines Testentwurfs geprüft werden. An eine daraufhin möglicherweise erforderliche Überarbeitung der Auslobung und/ oder des Kostenrahmens schließt sich dann der Architektenwettbewerb an.