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Nürnberg Kultur
Kulturreferat der Stadt Nürnberg

Zeppelinfeld/-tribüne

Nürnberg in Brüssel

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Wie geht eine Stadt mit ihrer Vergangenheit um? Wie geht Europa mit der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts um? Nürnberg intensiviert seine internationalen Kontakte und tritt in einen intensiven Austausch mit europäischen Fachleute.

Nach einem Arbeitsbesuch der EU-Expertengruppe zum Kulturtourismus im Februar 2018, bei dem sich Kulturexpertinnen und -experten aus 15 europäischen Ländern vor Ort über die Nürnberger Erinnerungsarbeit informierten, hat sich Nürnberg nun als Ort der Zeitgeschichte erstmals in Brüssel vorgestellt.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und andere hochrangige Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Kultur diskutierten am 1. März 2018 in der Vertretung des Freistaates Bayern bei der EU in Brüssel über die Notwendigkeit eines gemeinsamen kritischen Umgangs mit der europäischen Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, über zukunftsgerichtete historisch-politische Bildungsarbeit und darüber, welchen Beitrag Nürnberg angesichts der Krise der EU leisten kann. In einem angeregten Gespräch mit dem Publikum ging es auch um die Frage, welche Rolle die Erinnerungskultur im Rahmen der Nürnberger Kulturhauptstadt-Bewerbung spielen soll.

V.l.n.r.: Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle, Susanne Höhn (Goethe-Institut), Prof. Neil Gregor (University of Southampton), Moderatorin Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer (Universität Erlangen-Nürnberg). Foto: Philippe Veldeman

 

Auf dem Podium saßen Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, der Bayerische Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst, Dr. Ludwig Spaenle, der englische Professor für Modere Europäische Geschichte, Prof. Neil Gregor (Southampton), und die internationale Kulturexpertin, EU-Beauftrage und Leiterin der Region Südwesteuropa für das Goethe-Institut, Susanne Höhn. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer, Inhaberin des Lehrstuhls für Didaktik der Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner skizzierten die Phasen der Nürnberger Erinnerungsarbeit, deren Verankerung in der Bevölkerung sowie die baulichen und inhaltlichen Herausforderungen an den Erhalt und die Vermittlung historischer Orte wie dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände oder dem Schwurgerichtssaal 600 im Nürnberger Justizpalast. Entsprechende Frage stellen sich in einer Zeit des zunehmenden Verlustes der Zeitzeugen und diverser werdender Biographien der Besucherinnen und Besucher mit teils eigenen Gewalt- und Diktaturerfahrungen immer drängender.

Lob gab es dabei von Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle. Er betonte: „Nürnberg schreitet mutig voran“. Im Umgang mit seiner eigenen Vergangenheit sei die Stadt „maßstabsetzend“ und habe es gleichzeitig geschafft, das historische Erbe zukunftsgerichtet „zu wenden“. Gerade das Thema des zukunftsgerichteten Umgangs mit der NS-Vergangenheit sei ein besonderes Zeichen der Nürnberger Kulturhauptstadt-Bewerbung.

Wie sehr diese Thematik internationale Beachtung findet, machte die Kulturexpertin Susanne Höhn vom Goethe-Institut deutlich. Fragen des Umgangs mit der NS-Zeit seien integraler Bestandteil der Arbeit ihrer Einrichtung und haben Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg weltweit die Glaubwürdigkeit zurückgegeben. Aus der universitären Praxis berichtete Professor Neil Gregor (Southampton), dass in seinen Seminaren englische Studenten viele Fragen nach Rassismus, Nationalismus oder Demokratiefeindschaft stellen würden. Seiner Meinung nach sei gerade „Nürnberg eine geeignete Plattform, um über Antworten zu sprechen, aber auch darüber wie die Transition von einem Genozid zu einer Demokratie verlaufen kann.“

Der kritische und engagierte Umgang der Stadt Nürnberg mit ihrer NS-Vergangenheit, die Weiterentwicklung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, des Memoriums Nürnberger Prozesse und der progressive Ansatz einer zukunftsgerichteten historisch-politischen Bildungsarbeit stießen auch beim anwesenden europäischen Publikum auf großes Interesse und regte auch nach Ende der Podiumsdiskussion zu vielen intensiven Gesprächen mit den anwesenden städtischen Vertreterinnen und Vertretern an.

V.l.n.r.: Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle, Kulturreferentin Prof. Dr. Julia Lehner, Susanne Höhn (Goethe-Institut), Prof. Neil Gregor (University of Southampton), Prof. Dr. Charlotte Bühl-Gramer (Universität Erlangen-Nürnberg), Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly. Foto: Philippe Veldeman

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