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Nürnberg Kultur
Kulturreferat der Stadt Nürnberg

Zeppelinfeld/-tribüne

Umgang mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände

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Auf dem elf Quadratkilometer großen, von Architekt Albert Speer im Auftrag Hitlers geplanten ehemaligen Reichsparteitagsgelände stehen die größten baulichen Hinterlassenschaften der NS-Staats- und Parteiarchitektur. Die Zeppelintribüne und das Zeppelinfeld sind in einem baulich sehr schlechten Zustand, Teile müssen aus Sicherheitsgründen gesperrt werden, das Zeppelinfeld ist bis heute nicht öffentlich zugänglich. Dabei stehen hier die einzigen fertiggestellten Bauten des Geländes, die tatsächlich für die einwöchige Propagandaveranstaltung des NS-Regimes genutzt worden sind. Jährlich kommen mehrere 100 000 Menschen hierher. Die Stadt Nürnberg will das Ensemble baulich sichern und im Sinne des Dreiklangs „Sichern, Informieren, Öffnen“ als historischen Bildungsort intensiver erschließen.

Foto: Stadtarchiv Nürnberg

 

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Seit Jahren werden Schäden an der Zeppelintribüne und dem Zeppelinfeld trotz kontinuierlichem Bauunterhalt deutlich. Regen und Frost haben den 1935/37 entstandenen Bauten immer stärker zugesetzt. Immer größere Teile müssen nun aus Sicherheitsgründen mit einem Zaun abgesperrt werden.

Fotos v. l.: Hochbauamt der Stadt Nürnberg; Christine Dierenbach, Stadt Nürnberg

 

Schon 2004 hat die Stadt Nürnberg sich in den vom Stadtrat verabschiedeten Leitlinien/Leitgedanken zum künftigen Umgang der Stadt Nürnberg mit dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände entschlossen, die bauliche Sicherung der Anlage und die Erschließung als historisch-politischen Bildungsort anzugehen bzw. zu intensivieren. Ziel ist es, die seit 1973 unter Denkmalschutz stehenden Bauten im heutigen Zustand auch nachkommende Generationen zu erhalten. Die Stadt will weder einen Verfall hinnehmen, noch strebt sie eine Rekonstruktion an. Vielmehr soll der Status quo gesichert, das Gelände mittels einer pädagogisch-didaktische Vermittlung „lesbar“ und bisher verschlossene Bereiche der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Von April 2015 bis Oktober 2016 hat die Stadt an Hand von Musterflächen die Möglichkeiten einer baulichen Sicherung erprobt und die dafür nötigen Kosten berechnet. Als Musterflächen wurden der Turm 8 mit der angrenzenden Wallanlage auf dem Zeppelinfeld und ein Teilstück am Ostende der Zeppelintribüne ausgewählt. Vor Ort informieren Tafeln mehrsprachig über die Maßnahmen.

Zur baulichen Sicherung des heutigen Zustands und für eine vertiefte Bildungsarbeit muss eine Gesamtsumme von 73 Millionen Euro über einen Zeitraum von zwölf Jahren aufgewandt werden. Dabei entfallen rund 60 Prozent der Kosten auf die Zeppelintribüne und 40 Prozent auf das Zeppelinfeld.

Fotos: v. l.: Christine Dierenbach, Stadt Nürnberg; Architekturbüro Fritsch, Knodt und Klug

 

Dies ist eine nationale Aufgabe, die nicht allein von der Stadt Nürnberg getragen werden kann. Erste positive Signale kamen bereits vom damaligen Staatsminister Dr. Markus Söder im Rahmen einer Veranstaltung am 23. März 2017 in Berlin, wo Nürnberg zeitgeschichtlich bedeutsamen Stätten Gästen aus Politik und Gesellschaft vorgestellt wurden. Mit dem Bund werden nach der Regierungsbildung erneut Verhandlungen aufgenommen.

Bayerische Vertretung Berlin, 23.03.2017
Bayerische Vertretung Berlin, 23.03.2017; Foto: Henning Schacht

 

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Auch heute, weit über 70 Jahre nach Kriegsende, sind immer noch etliche Bereiche der Zeppelintribüne sowie das gesamte Zeppelinfeld nicht öffentlich zugänglich. Das Zeppelinfeld und der Mittelbau der Zeppelintribüne, der sogenannte Goldene Saal, sollen geöffnet und damit einer Mystifizierung der Orte vorgebeugt werden.

Christine Dierenbach, Stadt Nürnberg (Oktober 2016)
Foto: Christine Dierenbach, Stadt Nürnberg (Oktober 2016)

 

Damit soll die Informations- und Vermittlungsarbeit einen festen Ort auf dem Zeppelinfeld erhalten und die Arbeit des Studienforums im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände ergänzen. Ziel ist es, mit neuartigen Angeboten die Herausforderungen der Erinnerungsarbeit der Zukunft zu bearbeiten. Diese betreffen das Ende der Ära der Zeitzeugenschaft oder auch die Herausforderungen einer immer diverser werdenden Gesellschaft mit unterschiedlicher historischer Vorbildung und teils eigenen Diktaturerfahrungen.  

Das ehemalige Reichsparteitagsgelände wird aktuell sowohl als historischer Bildungs- wie auch als Sport- und Freizeitort genutzt. Daran soll zukünftig ebenfalls festgehalten werden.

Foto: Stadtarchiv Nürnberg

 

Informieren

Erhalten ist kein Selbstzweck. Die bauliche Sicherung von Zeppelintribüne und Zeppelinfeld geht einher mit einer Erweiterung des pädagogischen Programms am ehemaligen Reichsparteitagsgelände sowie einer Vertiefung der inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Hinterlassenschaften der NS-Zeit. Daher hat das Kulturreferat intensiv die Frage einer zukunftsgerichteten historisch-politischen Bildungsarbeit bearbeitet und konzeptionelle Überlegungen vorgestellt.

Zum Auftakt zeigte das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände vom 16. Oktober 2015 bis zum 13. März 2016 die Ausstellung „Das Gelände – Dokumentation. Perspektiven. Diskussion.“

Am 17. und 18. Oktober 2015 fand das internationale Symposium „Erhalten! Wozu? Perspektiven für Zeppelintribüne/-feld und das ehemalige Reichsparteitagsgelände“ statt. Mit dieser Frage beschäftigten sich international anerkannte Fachleute aus den Disziplinen Architektur/Denkmalpflege, Pädagogik, Kunst und Geschichtswissenschaft mit dem angemessenen Umgang mit den NS-Bauwerken im 21. Jahrhundert. Die Erkenntnisse liegen auch in schriftlicher Form als Band 2 der „Schriften des Kulturreferats der Stadt Nürnberg“ vor.

Symposium "Erhalten! Wozu?", Foto: Kulturreferat der Stadt Nürnberg / Ulrike Manestar

 

Am 6. Juli 2016 brachte das Kulturreferat das Nutzungs- und Vermittlungskonzept mit Schwerpunkt Zeppelintribüne/-feld als Bestandteil der Gesamtkostenberechnung einer baulichen Sicherung in den Stadtrat ein, das die Fortschreibung eines am 8. Juli 2015 im Stadtrat behandelten Positionspapiers darstellt.

Im gleichen Jahr 2016 hat das Kulturreferat zudem erstmals eine Besucherbefragung auf dem Gelände durchgeführt. Rund 240.000 Personen besuchen das Gelände im Rahmen einer Führung. An den drei Befragungstagen im Mai und Juli wurden zusätzlich 1.000 Besucherinnen und Besucher je Tag auf der Zeppelintribüne gezählt. An der Befragung nahmen Personen aus 29 Länder teil. Als Besuchsgrund gaben 85 Prozent historisches Interesse und Information an.

Aktuell wird das Nutzungs- und Vermittlungskonzept verfeinert und im Diskurs mit nationalen und internationalen Fachleuten weiterentwickelt. Es wird Bestandteil einer Antragstellung bei Bund und Land zur Finanzierung der baulichen Sicherung sein.

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